Dia andere Seite (das Ende)

Daphne du Maurier

Dia andere Seite (das Ende)

Für Franz Joseph (12.10. 1951 – 17.05.2017)

Ach altes Übel, lös die Ketten und lass mich ruhen,
wo es am besten für mich ist.
Im Schatten, stumm, im eig'nem Staub.

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tado ink • 03.10.2017 | Logbuch | Kommentieren
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Von der Schweiz aus

Imre Kertész

Das überwältigend reiche Basler Kunstmuseum; vor dem Theater ein Brunnen mit Mobile, kataton oder manisch sich bewegende wasserspeiende, wassergießende, im Wasser sich drehende Apparate, ein niederschmetternder Anblick; das Restaurant mit Rheinterrasse, der geschickt kaschierte Hedonismus, der bedrohliche Reichtum. Dieser Reichtum – das sieht man auf Schritt und Tritt – wird sich verteidigen. Die kunterbunte rempelnde Menschenmenge um mich herum wird ihn verteidigen, weil sie nur so in den Genuß der von ihm fallen gelassenen Brosamen kommen kann – herbeigeströmte Nomaden, deren Präsenz in dieser zurückhaltend-eleganten Stadt unterschwellig überall spürbar ist, wie die von Algen unter einem glitzernden Wasserspiegel.

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tado ink • 18.09.2017 | Stichijows Papiere | Kommentieren
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Stille im Land

Spätsommer

Wie seltsam still es im Lande ist. Es herrscht Wahlkampf, aber es gibt nicht den geringsten Streit, keine Kontroversen, keine Anfeindungen, keine Skandale, keine Verwerfungen. Sieht man einmal von den Schreihälsen und Rabauken in der rechten Ecke ab, dann scheint es, als ob sich alle einig wären; alle sind lieb miteinander, sie hätscheln und tätscheln sich und versprechen in etwa das Gleiche. Man wiegt und kost sich, und am Ende stimmt man in den Singsang des deutschen Alltags ein: »Alles Gut? Alles Gut!«. Als ob die Wahl bereits entschieden wäre. Ist das hier die DDR? Biedermeier for ever? Keine Störung der öffentlichen Ordnung, bitte. Ruhe als erste Bürgerpflicht? – Und die Journaille, die vierte Gewalt, das Sprachrohr der bürgerlichen Gesellschaft? Macht wie immer gute Miene zum bösen Spiel.

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tado ink • 30.08.2017 | Logbuch | Kommentieren
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Nach Mariä Himmelfahrt

In Wort und Bild

Der See steht still und schweiget
Und aus den Tiefen steiget
Ein roter Hahn – wie sonderbar.

 

Nach Mariä Himmelfahrt
tado ink • 23.08.2017 | Kunstkammer | Kommentieren
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Vor Ypern (hundert Jahre danach)

Wolfgang Lange

Wieder zurück aus Belgien, sitze ich am Schreibtisch und weiß nicht recht, was ich mit mir anfangen soll. Draußen regnet es, und das in einem fort; vom Atlantik schiebt sich eine Regenfront nach der anderen über Mitteleuropa hinweg. Gestaffelt. Schauer. Also Flandern, verlieren wir zunächst ein paar Worte über Flandern. Als Fingerübung. Sage ich mir.

 

Vor Ypern (hundert Jahre danach)

Kneeb Wenedikt Kommandor: Schwarze Madonna | 2017

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tado ink • 27.07.2017 | Frontberichte | Kommentieren
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Da es Sommer ist

Alberto Moravia

Als wir wieder im Wagen saßen, raste ich los, ehe noch Cecilia den Wagenschlag ganz geschlossen hatte. Ich empfand eine wachsende Wut, die nicht erlosch, gleich einem Feuer, das immer neue Nahrung findet. Diese Wut erweckte in mir beharrliche Zwangsvorstellungen: Ich suchte die Cecilia, die ich nicht hatte haben können, töricht und starrköpfig überall dort, wo der kleinste Schein einer Ähnlichkeit dies zuließ – so ließen mich gewisse bald gemähte , bald bewachsene Wiesenstücke an Cecilias Leib denken, gewisse runde Hügel an ihre Brüste, gewisse Formen des Terrains an das Profil ihres Gesichts und an ihre Haare.

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tado ink • 29.06.2017 | Stichijows Papiere | Kommentieren
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Die allgemeine große Lüge

Imre Kertész

– Zur Politik wäre noch das eine oder andere zu sagen, aber das wäre wirklich unnütze und langweilige Zeitverschwendung. Es ginge darum, wie die Muslime Europa überschwemmen und in Besitz nehmen, direkt gesagt, zerstören werden; darum, wie Europa das alles handhabt, es ginge um selbstmörderischen Liberalismus und die Dummheit der Demokratie.

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tado ink • 08.05.2017 | Stichijows Papiere | Kommentieren
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Auch die Ferien ...

Albert Camus

Auch die Ferien brachten Jacques in seine Familie zurück, zumindest in den ersten Schuljahren. Bei ihnen hatte niemand Urlaub, die Männer arbeiteten pausenlos das ganze Jahr über. Wenn sie in Betrieben angestellt waren, die sie gegen derartige Risiken versichert hatten, verschaffte ihnen nur ein Arbeitsunfall Freizeit, und ihre Ferien waren auf das Krankenhaus oder den Arzt angewiesen.

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tado ink • 11.04.2017 | Stichijows Papiere | Kommentieren
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Über Deutschland und die Deutschen

Sebastian Haffner

Jede Revolution bei anderen Völkern hat, wieviel Blutverlust und momentane Schwächung sie immer mit sich bringen mochte, zu einer ungeheuren Steigerung aller moralischen Energien auf beiden kämpfenden Seiten geführt – und damit auf lange Sicht zu einer ungeheuren Stärkung der Nation. Man betrachte die ungeheure menge von Heldenmut, Todesverachtung und menschlicher Größe, die – gewiß neben Ausschreitung, Grausamkeit und Gewalt – von Jakobinern wie Royalisten im revolutionären Frankreich, von Francoleuten wie von Republikanern im heutigen Spanien entfaltet worden ist! Wie immer der Ausgang sein mag – die Tapferkeit, mit der um ihn gerungen wurde, bleibt als unerschöpflicher Kraftquell im Bewußtsein der Nation. Die heutigen Deutschen haben an der Stelle, wo dieser Kraftquell entspringen müßte, nur die Erinnerung an Schande, Feigheit und Schwäche. Das wird unfehlbar eines Tages seine Wirkungen zeigen; sehr möglicherweise in der Auflösung der deutschen Nation und ihrer staatlichen Form.

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tado ink • 14.03.2017 | Stichijows Papiere | Kommentieren
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Berlin, Moritzplatz

Eine Art Ballade

Berlin! Berlin! Berlin! 
Da war’n wir in Berlin,
und was hab’ma da jesehen?
Nüscht hab’ma da jesehen.

Dabei, es war ne Menge los,
an diesen Februartagen.
Kein Grund also, zu klagen.


 

Berlin, Moritzplatz

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tado ink • 23.02.2017 | Frontberichte | Kommentieren
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Nachrichten aus dem Irrenhaus

3. Lieferung

Daß die Welt ein Irrenhaus ist – daran dürfte nach der Lektüre der Schlagzeilen, die wir in den letzten Wochen gesammelt und auf Sendung geschickt haben, kaum mehr ein Zweifel bestehen. Falls doch, dann empfehle ich, die Tageszeitung aufzuschlagen, ab und an im Netz zu surfen oder aber die dritte und letzte Lieferung der Nachrichten aus dem Tollhaus zu Rate zu ziehen. Einiges ist zum Schießen komisch, anderes dagegen bizarr und seltsam, manches unheimlich. – Was mich beunruhigt, ist freilich etwas anderes: der Umstand, daß die Nachrichten beinahe durch die Bank von Leuten handeln und von Leuten verfasst wurden, die sich als Wächter oder Hüter der Vernunft verstehen. Wenn es Künstler wären, na ja ... Aber so? Heute? Verkehrte Welt, oder Lust auf Dekonstruktion, und das in Permanenz. Früher sprach man da, glaube ich, von Apokalypse.

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tado ink • 04.02.2017 | Logbuch | Kommentieren
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Nachrichten aus dem Irrenhaus

2. Lieferung

Fakt oder Fiktion – das ist hier nicht die Frage! Da die Welt zu einem Irrenhaus geworden ist, gibt es niemanden mehr, der zu sagen wüßte, was genau der Fall war und was dagegen als erstunken und erlogen zu betrachten ist. Am wenigsten die Journaille. Wir erleben es Tag für Tag: Gerüchte werden als Nachrichten ventiliert, Tatsachenbehauptungen dreist als Falschmeldungen apostrophiert. Keiner blickt mehr durch. Das Vertrauen in das, was öffentlich gesagt und behauptet wird, ist vollständig ruiniert. Oder, um Karl Kraus abzuwandeln: Im Anfang war die Presse / und dann erschien die Welt. / Weiß Gott in wessen Interesse hat sie sich uns gesellt. – Und damit schalten wir um auf die Schlagzeilen:

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tado ink • 27.01.2017 | Logbuch | Kommentieren
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Nachrichten aus dem Irrenhaus

1. Lieferung

Zur Weltlage fällt mir nichts mehr ein. Ich muß nur frühmorgens mein MacBook aufklappen und zur Presseschau ansetzen, da verschlägt es mir auch schon die Sprache. So am 3. Januar diesen Jahres: »Grüne planen Unisex-WCs in Berliner Behörden« (Der Tagesspiegel). Als ob es für das frisch gekürte Regierungsbündnis in Berlin, sprich Rot hoch Zwei mal Grün, nichts Dringenderes gäbe als auf öffentlichen Bedürfnisanstalten – »wenn nicht hier, wo sonst« – den an der Spree ins Kraut schießenden Geschlechtern so etwas wie Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. – Die Welt, so scheint es, hat sich vollends in ein Irrenhaus verwandelt. Sie glauben mir nicht? Dann lassen Sie sich einmal die Schlagzeilen auf der Zunge zergehen, die ich über die letzten Wochen hinweg im Netz für Sie aufgeschnappt habe.

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tado ink • 20.01.2017 | Logbuch | Kommentieren
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Bremerhaven

Imre Kertész

Wir sprachen viel über den Krieg. Aus dem Hotel tretend geriet ich in eine politische Veranstaltung: Im Wind, unter einer Zeltplane, hielt ein hier aus der Vergangenheit übriggebliebener, bekannter Kommunist eine pazifistische Rede, zwanzig, dreißig Menschen hatten sich auf dem Platz versammelt.

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tado ink • 13.01.2017 | Frontberichte | Kommentieren
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Steinböcke

Nach Brehms Tierleben

Steinböcke

Die Steinböcke ( Capra) bewohnen die Gebirge der Alten Welt und auf ihnen Höhen, woselbst andere große Säugetiere verkümmern würden. Mit dieser Lebensweise geht Hand in Hand, daß jede Steinbockart nur eine geringe Verbreitung hat. Infolgedessen haben wir in den Steinböcken ein reiches Geschlecht vor uns. Europa allein zählt zwei, vielleicht drei verschiedene Steinbockarten. Eine derselben ( Capra ibex) bewohnt die Alpen, eine ( Capra pyrenaica) die Pyrenäen und andere spanische Gebirge, eine dritte ( Capra caucasica) den Kaukasus. Außerdem findet sich ein Steinbock ( Capra sibirica) in Sibirien, einer ( Capra beden) im Steinigen Arabien, ein dritter ( Capra nubiana) in Abessinien, ein vierter ( Capra skyn) auf dem Himalaja. Alle diese Tiere sind einander sehr ähnlich in Gestalt und Färbung und unterscheiden sich hauptsächlich durch das Gehörn und den Bart am Kinn. Zurzeit besitzen wir noch keineswegs Stoff genug, um über die Frage, ob hier überall Artverschiedenheiten zugrunde liegen oder nicht, mit der notwendigen Sicherheit entscheiden zu können.

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tado ink • 06.01.2017 | Kunstkammer | Kommentieren
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Schwarze Weihnachten

Ansichtskarte

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Schwarze Weihnachten
tado ink • 24.12.2016 | Logbuch | Kommentieren
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Sonderzug nach Riga

Bielefeld Bahnhof | vor 75 Jahren

Sonderzug nach Riga

Der 13. Dezember 1941 fiel auf einen Samstag. Draußen war es bitter kalt, als ein Zug in den Bielefelder Bahnhof einlief, der auf keinem Fahrplan ausgewiesen war. Es handelte sich um einen Sonderzug, der über Hannover und Berlin nach Riga gehen sollte. Über die Bestimmung des Zugs bestand kein Zweifel: er diente der Deportation von Bürgern jüdischer Abstammung in den Osten, in die Todeszone Europas, auf einen der Blutäcker, die im Zuge des Hitler-Stalin-Paktes dort angelegt worden waren.

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tado ink • 13.12.2016 | Frontberichte | Kommentieren
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Diesseits des Kremls: Moskau im Dreck (vi)

wolfgang lange

Der Schatten einer Bewegung draußen vor dem Fenster ließ ihn auffahren. Ah, da ist er ja wieder, der Eichelhäher. Komischer Vogel. Zuweilen kam er und legte kurz Station gegenüber auf dem Birnbaum ein, obgleich er hier unten in der Stadt eigentlich nichts zu suchen hat. Als ein Bewohner des Waldes. Dachte er.

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tado ink • 07.12.2016 | Stichijows Papiere | Kommentieren
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Diesseits des Kremls: Moskau im Dreck (v)

wolfgang lange

Was aber ist Dreck? Materie am falschen Fleck, heißt es, zunächst und vor allem. Dreck ist ein Stück Materie, das sich aus dem Zusammenhang, in den es recht eigentlich gehört, gelöst hat und an einer Stelle begegnet, an dem seine Anwesenheit als ungehörig oder störend empfunden wird. Was Dreck im einzelnen je ist, hängt von den Standards ab, die in einer Gesellschaft angelegt werden. Was geht in Ordnung, was nicht? Ist das wirklich sauber? Am Ende ist vielleicht alles eine Frage der Hygiene.

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tado ink • 30.11.2016 | Stichijows Papiere | Kommentieren
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Gänse

Nach Brehms Tierleben

Die Gänse (Anserinae), eine über die ganze Erde verbreitete Unterfamilie der Gänsevögel, unterscheiden sich von den Schwänen durch gedrungenen Leib, kurzen Hals, kürzeren Schnabel und höhere, mehr in der Mitte des Leibes eingelenkte Beine. Der kaum kopflange Schnabel ist oben und unten in einen breitgewölbten, scharfschneidigen Nagel ausgezogen, seitlich mit harten Zähnen bewaffnet, der Fuß mit vollen Schwimmhäuten ausgerüstet und mit kurzen starken Krallen versehen. Das Kleingefieder ist außerordentlich weich und dicht, das Dunengefieder sehr entwickelt. Die Geschlechter unterscheiden sich wenig.

Gänse

Kneeb Wenedikt Kommandor: Gänse (Anserinae) | 2016

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tado ink • 13.11.2016 | Kunstkammer | Kommentieren
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Diesseits des Kremls: Moskau im Dreck (iv)

wolfgang lange

Diesseits des Kremls: Moskau im Dreck (iv)

Und dann dachte er: Singapur, wenn es einen Ort gibt, dessen Atmosphäre das gerade Gegenteil zu der Moskaus vorstellt, dann Singapur, oder vielleicht besser noch eine der Shopping-malls, die er von Kalifornien her kannte, die Santa Barbaras etwa oder Stanfords. Absolut reinlich, aseptisch nachgerade. Nicht so Moskau. So futuristisch die Kapitale architektonisch scheint, das Klima und die Atmosphäre der Stadt wirken nicht gerade reinlich, erregen, wie die Lebenswelt Moskaus überhaupt, den Verdacht, alles andere als sauber zu sein. 

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tado ink • 10.11.2016 | Stichijows Papiere | Kommentieren
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Diesseits des Kremls: Moskau im Dreck (iii)

wolfgang lange

Der Horizont war vom Schreibtisch aus nicht zu sehen. Vor ihm erhob sich wie eh und je der Johannisberg im Teutoburger Wald, feucht, dunkel und kühl, trotz der Hitze, die auf und über ihm und dem Hinterhof lag, auf den er schaute. Auf dem Tisch vor ihm lag ausgebreitet der Stadtplan, den er von seiner russischen Reise mit nach Hause gebracht hatte: Moskau City/"Boomtown".

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tado ink • 02.11.2016 | Stichijows Papiere | Kommentieren
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Hirsche

Nach Brehms Tierleben

Keine einzige Gruppe der ganzen Ordnung läßt sich leichter kennzeichnen als die Familie der Hirsche ( Cervina). Sie sind geweihtragende Wiederkäuer. Mit diesen Worten hat man sie hinlänglich beschrieben; denn alles übrige erscheint dieser Eigentümlichkeit gegenüber als nebensächlich.

Hirsche

Kneeb Wenedikt Kommandor: Der Edelhirsch (Servus elaphus L.) | 2016

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tado ink • 26.10.2016 | Kunstkammer | Kommentieren
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Diesseits des Kremls: Moskau im Dreck (ii)

wolfgang lange

Alles in allem war er kaum mehr als 10 Tage fort gewesen. Drei Tage Moskau, sieben Tage St. Petersburg, hinzu kam der eine oder andere Ausflug ins Umland der Metropolen. 10 Tage unterwegs in den Weiten Rußlands – eine Stippvisite, nicht mehr.

Diesseits des Kremls: Moskau im Dreck (ii)

Ilja Sergewitsch Glasunow: Blick auf das alte Moskau | ca. 1979

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tado ink • 19.10.2016 | Stichijows Papiere | Kommentieren
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